Was ist Künstliche Intelligenz? Ein Überblick.

„Künstliche Intelligenz ist ein Zweig der Informatik, der sich mit der Nachbildung bestimmter Aspekte menschlicher Intelligenz auf Computersysteme beschäftigt. Dazu zählen unter anderem Spracherkennung, kreatives Verhalten, Fähigkeit aus Erfahrung zu lernen und Schlussfolgerungen aus unvollständigen Informationen zu ziehen.“

So definiert das Microsoft Computer Lexikon „Künstliche Intelligenz“ (KI) oder auch „Artificial Intelligence“ (AI). Was aber steckt dahinter? Wo kommt dieser „Zweig der Informatik“ her? Wie hat sich KI über die Jahre entwickelt? Wo stehen wir heute? Und: Welche Fragen wirft die Thematik auf? Wir geben einen Überblick:

1. Geschichte

Der erste Roboter der Menschheitsgeschichte war ein Chinese. Oder besser: wurde von einem Chinesen erbaut. Yan Shi lebte vor knapp 3000 Jahren und war Mechaniker. Er kreierte einen sich eigenständig bewegenden Roboter, den der Philosoph Liezi wie folgt beschreibt: „The figure walked with rapid strides, moving its head up and down, so that anyone would have taken it for a live human being. The artificer touched its chin, and it began singing, perfectly in tune. He touched its hand, and it began posturing, keeping perfect time…

Automatons, also Roboter, die eigenständig handeln konnten, spielten also schon in der Antike eine Rolle. So entwickelte zum Beispiel Philon im antiken Griechenland einen automatischen Kellner, der Wein einschenken konnte.

Und auch Religionen beschäftigten sich mit der Frage nach vom Menschen geschaffener Intelligenz. In der jüdischen Sage vom Rabbiner Löw  steht: „Eines Tages hat ein Rabbiner aus Tonerde und Wasser eine menschliche Gestalt geformt und sie zum Leben erweckt. Er schuf einen künstlichen Menschen – einen Golem.“ Dieser Golem führt Aufträge aus, die ihm codiert – in Form von Buchstabenkombinationen – vom Rabbiner übermittelt werden.

Natürlich hat auch Leonardo Da Vinci Automatons entwickelt. Er zeichnete Pläne für mechanische Ritter, die sich eigenständig bewegen sollten.

Antike und mittelalterliche Roboter versuchen menschliches Verhalten zu imitieren. Die Fragen aber, wie solche Maschinen weiterentwickelt werden können und ob sie eines Tages auch selbständig denken und fühlen können, kamen erst später auf.

Alan Turing, ein britischer Informatiker, entwickelte 1950 den sogenannten Turing-Test. Dabei wird geprüft, ob eine Maschine „intelligent“ nach menschlicher Vorstellung ist: Eine Testperson chattet zunächst mit einem Menschen und einem Computer. Danach muss sie bestimmen, bei welchem Chatpartner es sich um ein künstliches Wesen handelte. Der Test bestimmt seither die Diskussion um künstliche Intelligenz, auch weil ihn lange Zeit keine Maschine bestanden hat. 2014 war es dann aber soweit.

Der Begriff „Artificial Intelligence“ wurde schließlich durch die sogenannte Dartmouth-Konferenz eingeführt. Im Sommer 1956 kamen führende Wissenschaftler auf dem Dartmouth-College in Hanover, New Hampshire, zusammen – die Konferenz gilt als Geburtsstunde der KI als eigenständiges Forschungsgebiet.

Der Turing-Test und die Dartmouth-Konferenz sind Grundsteine der KI, wie wir sie heute kennen. Sie waren Wegbereiter eines neuen Forschungsfeldes – und vielleicht einer neuen Welt.

2. Meilensteine

  • 1960: Der amerikanische Psychologe Frank Rosenblatt entwickelt den ersten lernfähigen Computer namens Mark I und legt damit den Grundstein für neuronale Netzwerke.
  • 1997: Der Schachcomputer „Deep Blue“ schlägt den russischen Weltmeister Garri Kasparow.
  • 2011: „Watson“ schlägt zwei Quizmeister in der Spielshow „Jeopardy!“. Dabei versteht der Computer menschliche Sprache und findet die passende Antwort in einer Datenbank.
  • 2016: Die Software „AlphaGo“ schlägt den Ausnahmespieler Lee Sedol im chinesischen Brettspiel „Go“. AlphaGo setzt auf „Deep Learning“, ist also lernfähig und entwickelt selbständig  neue Spielzüge.

3. Stand heute

Das Einsatzgebiet der KI lässt sich in vier Kategorien aufteilen:

Es gibt erstens wissensbasierte Systeme, die auf eine Frage des Nutzers auf Grundlage eines eingespielten Wissens antworten können.

Zweitens gibt es die Mustererkennung in Form von visuell intelligenten Systemen, die Fotos von beispielsweise Handschriften oder Gesichtern erkennen und analysieren können, und in Form von sprachlich intelligenten Systemen, die Text in Schrift – oder andersherum – umformen können.

Daraus folgt drittens die Mustervorhersage, die Maschinen auf Grundlage der erkannten Muster  menschliche Verhaltensvorhersagen ermöglicht.

Die vierte Kategorie, die Robotik, lässt Roboter menschliches Verhalten nachahmen. Ziel könnte es sein, wie zum Beispiel beim Roboter „Atlas“, gefährliche Aufgaben in Katastrophenfällen von Robotern übernehmen zu lassen.

KI ist heute selbstverständlich mit dem Alltag vieler Menschen verknüpft. Intelligente Suchmaschinen passen sich durch jeden einzelnen Gebrauch besser an den Nutzer an – seit 2011 ist das Spracherkennungsprogramm „Siri“ auf dem Markt – „Spotify“ empfiehlt seinen Usern Lieder, die zu ihrem Musikgeschmack passen könnten…

Das sind nur drei offensichtliche Beispiele, KI ist in der Industrie aber schon viel länger im Einsatz und hat sich rasant weiterentwickelt.  Watson zum Beispiel, der Jeoparty-Gewinner, kann heute als Mediziner eingesetzt werden: Er wählt in 90 Prozent der Fälle die richtige Therapie, menschliche Ärzte liegen bei 50 Prozent. Und das ist nur ein Beispiel dafür, wie Maschinen heute präziser arbeiten als Menschen.

Wenn Maschinen lernfähig sind (siehe AlphaGo), zeigt sich das große Potenzial von KI. Die großen Möglichkeiten des sogenannten Deep Learnings, also der selbständigen Weiterentwicklung von bereits Erlerntem, zeigen sich zum Beispiel bei der Sprachsteuerung. Das neue Spracherkennungsprogramm „Viv“ schreibt sich innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde selbst um und erarbeitet dadurch eigene Lösungsansätze für neue Fragen.

Weiterentwicklung

Wie geht es jetzt weiter? Ist KI Segen oder Fluch? Wie können Grund- und Verbraucherrechte  geschützt werden? Braucht es eine digitale Ethik? Wie steht es um Haftungsfragen? Erwartet uns eine Dystopie, wie wir sie aus vielen Science-Fiction-Filmen kennen? Oder wird KI wirklich das, was sich viele erhoffen: Eine Erleichterung unseres Lebensalltags? Gehen durch KI nur Jobs verloren – oder gewinnen wir dank der Maschinen vielleicht Zeit für das Wesentliche? Was passiert mit der Arbeitsgesellschaft, wenn die Arbeit fehlt? Welche Rolle können dabei gesellschaftliche Zukunftskonzepte wie das „bedingungslose Grundeinkommen“ einnehmen?

KI wirft viele Fragen auf. Längst sind sie Politikum. Und die Gesellschaft bildet sich eine Meinung: Laut einer Umfrage des Digitalverbands „Bitkom“ sehen 55 Prozent der deutschen Bürger in KI mehr Chancen als Risiken – 41 Prozent sehen das aber genau umgekehrt.

Nicht alle Fragen können zeitnah beantwortet werden. Aber ohne Zweifel steht fest: KI wird immer mehr an Bedeutung gewinnen.


Über den Autor:

August Modersohn, in Berlin geboren, in Dresden ansässig. Nach seinem Politikstudium arbeitet er als freier Journalist und schreibt für die FAZ, Die ZEIT, Leipziger Volkszeitung, Tonic-Magazin, Süddeutsche Zeitung – nur um einige zu nennen. Er geht sehr gerne „neue Wege“ und „neue Projekte“ an, die ihn faszinieren.


Über das Thema:

Künstliche Intelligenz beschäftig aktuell alle Medien, die Techniker, Manager, Unternehmer – und die Gesellschaft. Es hat das Potenzial, die Gesellschaft komplett auf den Kopf zu stellen – positiv wie auch negativ.

Damit wir die Vorteile der KI nutzen können ohne dabei die Risiken und Gefahren zu übersehen ist es notwendig, dass wir verstehen, was KI ist und was heute und morgen mithilfe der KI erreicht werden kann.

Daher hat die MUNICH ARTIFICIAL INTELLIGENCE LABORATORIES die Serie KI/ML-Wissen gestartet.

Diese Serie soll insbesondere Nicht-Technikern einen Über- und Einblick in die Künstliche Intelligenz geben und darstellen, wofür KI heute eingesetzt werden kann und was die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten sein können. Gleichzeitig möchten wir das Thema aus allen Perspektiven betrachten, wozu auch die Risiken, Gefahren und mögliche Nebenwirkungen der KI gehören.

Die Artikel werden in unregelmäßigen Abständen veröffentlicht. Wenn Sie diese Artikel selbst in Ihren Unterlagen (Zeitungen, Bücher, Zeitschriften) verwenden möchten oder wenn Sie weitere Fragen zu den Themen habe, kontaktieren Sie uns einfach unter info@m-ailabs.bayern. Wir helfen gerne weiter…